Name: Patricia Schlesinger
Geburtsdatum & -ort: 14. Juli 1961, Hannover
Organisation: RBB / ARD / NDR
Ehemalige Ämter: Intendantin des RBB (1. Juli 2016 – 8. August 2022), ARD-Vorsitzende (1. Januar 2022 – 4. August 2022)
Studium: Wirtschaftsgeographie, Politikwissenschaft sowie Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Universität Hamburg (Diplom 1987), Auslandsstudium in Aix-en-Provence (1984)
Berufserfahrung: 1988/89 Volontariat beim NDR, ab 1990 Reporterin bei ARD-Panorama, 1995-1997 Leiterin des ARD-Auslandsstudios Singapur, 1997-2001 Moderatorin von Panorama, 2001-2004 ARD-Korrespondentin in Washington, ab 2004 verschiedene Führungspositionen beim NDR
1. Juli 2016 – 8. August 2022: Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB)
1. Januar 2022 – 4. August 2022: Vorsitzende der ARD (erste RBB-Intendantin in diesem Amt)
6. Juni 2019 – 14. August 2022: Aufsichtsratsvorsitzende der Degeto Film GmbH
22. August 2022: Fristlose Entlassung durch RBB-Verwaltungsrat
Themen: Investigativer Journalismus, Auslandsberichterstattung, Medienmanagement, öffentlich-rechtlicher Rundfunk
Patricia Schlesinger war eine angesehene Investigativ-Journalistin, die selbst Missstände aufdeckte – bis sie 2022 im Zentrum des größten ÖRR-Skandals der Nachkriegszeit stand. Ihr Fall kostete Millionen und erschütterte das Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nachhaltig.
Der Skandal in Zahlen: Gehalt 303.000€ (+16% Erhöhung), Dienstwagen Audi A8 (145.000€ Listenpreis), Büro-Umbau 1,4 Millionen€, Rückforderungen 250.000€. Strafrechtliche Ermittlungen wegen Untreue und Vorteilsannahme laufen bis heute.
Aktuelle Lage (Stand: September 2025): Juli 2025 wurde Schlesinger zu Schadenersatz von 24.000€ für Dienstwagen/Reisekosten verurteilt, erhält aber 18.400€ monatliches Ruhegeld. Beide Seiten gingen in Berufung - der RBB fordert über 12,9 Millionen€ Schadenersatz für das "Digitale Medienhaus"-Projekt. September 2025: Neue Kontroverse um mögliche Befangenheit der Richterin, die jahrelang Schlesingers Nachbarin war. Seit Juli 2025 arbeitet sie als Beraterin bei der Agentur Stella Circle.
Am 23. Juni 2022 enthüllte Business Insider Ungereimtheiten: Ermittler stießen bei der Messe Berlin auf einen Beratervertrag über mehr als 100.000 Euro für Schlesingers Ehemann, den ehemaligen "Spiegel"-Journalisten Gerhard Spörl. Der Aufsichtsratschef der Messe, Wolf-Dieter Wolf, hatte den Vertrag persönlich initiiert – und war gleichzeitig Verwaltungsratschef des RBB, also für die Überwachung Schlesingers zuständig. Ein klassischer Fall von Filz und Interessenkonflikten, der den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Misskredit brachte.
Weitere Beraterverträge für Immobilien-Experten, die mit Wolf verbunden waren, flossen in das RBB-Bauprojekt "Digitales Medienhaus". Schlesinger soll diese Aufträge unterstützt haben, was zu Vorwürfen der Vorteilsnahme und Vetternwirtschaft führte. Die Affäre löste eine Welle der Empörung aus, da Beitragszahler-Gelder offenbar für private Netzwerke missbraucht wurden. Kritiker warfen Schlesinger vor, ihre Position als ARD-Chefin und RBB-Intendantin systematisch für familiäre Vorteile zu nutzen – ein Skandal, der das Vertrauen in den ÖRR nachhaltig erschütterte.
Zeitraum: Juni 2022
Quelle: Business Insider: Chronologie zum Rücktritt von Patricia Schlesinger
Am 29. Juli 2022 berichtete Business Insider, dass Schlesinger trotz strenger Compliance-Regeln einen mondscheinblauen Audi A8 im Wert von 145.000 Euro angemietet hatte. Mit Massagesitzen und einem Rabatt von fast 70% über den "Regierungspreis" – finanziert von Beitragszahlern. Besonders skandalös: Die Chauffeure wurden nicht nur für dienstliche, sondern auch für private Besorgungen genutzt, was bei anderen ARD-Anstalten verboten ist. Schlesinger lieh den Wagen sogar ihrem Mann Gerhard Spörl für seinen Beraterjob bei der Messe Berlin aus.
Diese Praktiken widersprachen den internen Vorschriften und unterstrichen die Vorwürfe der Verschwendung und Vorteilsnahme. Der Luxuswagen symbolisierte für Kritiker den Missbrauch öffentlicher Mittel: Während Zuschauer Gebühren zahlen, genossen Führungskräfte Privilegien, die den ÖRR in eine Glaubwürdigkeitskrise stürzten. Die Affäre trug maßgeblich zum Druck bei, der zu Schlesingers Rücktritt führte.
Zeitraum: Juli 2022
Quelle: Business Insider: Chronologie zum Rücktritt von Patricia Schlesinger
Am 4. Juli 2022 deckte Business Insider auf: Schlesinger veranstaltete private Abendessen zu Hause auf Kosten der Beitragszahler. Akten zeigten, dass Rechnungen vom Catering-Service vor der Einreichung beim RBB verändert wurden – z.B. die Gästeanzahl reduziert, um die Kosten zu kaschieren. Eine E-Mail vom 17. Februar 2021 belegt, dass Schlesingers Assistentin den Service bereits im Vorfeld anwies, unterschiedliche Zahlen für Angebot und Rechnung anzugeben.
Bis zu 136,65 Euro pro Gast kosteten die Essen, doch Schlesinger nannte zunächst nur 23-56 Euro, später korrigiert auf 69 Euro. "B.Z." und BILD enthüllten Namen und Preise, was den Verdacht auf Spesenbetrug und Manipulation verstärkte. Diese Praktiken, die das Vertrauen in den ÖRR untergruben, waren der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte und direkt zu ihrem Doppel-Rücktritt führte.
Zeitraum: Juli-August 2022
Quelle: Business Insider: Chronologie zum Rücktritt von Patricia Schlesinger